Defekte glomeruläre Basalmembran  der Niere (P=auffälliger Podozyt, BM=verdickte, auf-gesplitterte Basalmembran, C=Gefäßlumen)

Überblick Alport Syndrom

Prof. Dr. O. Gross

Universitätsmedizin Göttingen

Abt. Nephrologie und Rheumatologie

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1927 beschrieb A.C. Alport erstmals eine progressive hereditäre Nephropathie, begleitet von Innenohrschwerhörigkeit und Augenveränderungen. Die heute gültigen Diagnosekriterien des Alport Syndroms (AS) sind in der Tabelle unten angeführt.

Bei unterschiedlicher Penetranz der einzelnen Symptome ist die Krankheit phänotypisch sehr heterogen, erstes Symptom ist meist die (Mikro-) Hämaturie. Zur Diagnosestellung werden drei von vier Kriterien gefordert. Dies erschwert oft insbesondere bei jungen Patienten (mit noch wenigen Symptomen) eine sichere Diagnosestellung allein anhand der klinischen Symptomatik.

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Informationen zum Alport Syndrom

Histologisch lassen sich hauptsächlich Veränderungen im Bereich der glomerulären Basalmembran (GBM) nachweisen. Die typische trilaminäre Struktur der GBM mit einer zentralen Lamina densa und zwei Laminae rarae ist zerstört. Elektronenmikroskopisch finden sich Aufsplitterungen und Lamellierungen der GBM, wobei im Bereich der Lamina densa eine netzartige bis korbgeflechtartige Struktur-veränderung der insgesamt verdickten (in der Frühphase auch verdünnten) Basalmembran imponiert.

Erste Hinweise auf die Genese des Alport Syndroms beruhten auf Versuchen mit Autoantikörpern gegen Typ IV Kollagen (Goodpasture Syndrom assoziierte Autoantikörper), die einen veränderten Aubau der Basalmembran in verschiedenen Organen und einen Verlust des Goodpasture Antigens zeigten. Das Alport Syndrom gehört somit zu einer Gruppe von Kollagenerkrankungen, wie Osteogenesis imperfecta (Typ I Kollagen) und das Ehlers-Danlos Syndrom (Typ III).

1987 wurden die bis dahin unbekannten a3- und a4-Ketten des Typ IV Kollagens gefunden. Versuche, die zugehörige cDNA zu klonen, führten zur Entdeckung einer fünften Kette und des dazugehörigen Gens (COL4A5) auf dem X-Chromosom (Xq22), wo zuvor das Gen für das Alport Syndrom lokalisiert worden war. Kurz darauf wurde auch COL4A6 gefunden. Bislang sind beim X-chromosomalen Alport Syndrom über 300 Mutationen im COL4A5-Gen beschrieben. Die Mutationen sind über das ganze Gen von 51 Exon Länge (250 kb genomische DNA) verteilt; die Mutationssuche ist daher schwierig, zeitaufwendig und teuer.

Das Leitsymptom der heterozygoten Carrier des X-chromosomalen und des autosomalen Alport Syndroms ist die Mikrohämaturie. Diese ist den Konduktoren aufgrund der fehlenden klinischen Symptomatik oft nicht bewusst, aber ein leicht zu festzustellendes, sehr wichtiges Diagnosekriterium. 5-15% der Anlageträger haben eine intermittierende Makrohämaturie oder Innenohrschwerhörigkeit. Augenveränderungen wie Lenticonus sind selten (<5%).

Alle Informationen zur Prognose und Therapie von Patienten mit Alport Syndrom und heterozygoten Carriern finden Sie auf der Seite Europäisches Alport Register.

last update 4/2014